"Kässchmeer"
 - Wer nicht aus dem Saarland kommt, kennt diesen Begriff kaum: er meint eigentlich eine Scheibe wohlschmeckenden, selbst gebackenen Brotes - alternativ das Brot eines Bäckers Ihres Vertrauens - mit einer dicken Schicht selbst gemachten, frischen Kräuterquarks. So weit, so gut!
Aber für mich ist es ausgerechnet am heutigen, sonnigsten Karfreitag seit Jahren weit mehr - es ist meine Kindheit!

Wir wohnten direkt am Limberg, eher ein größerer Hügel als ein kleiner Berg; in jedem Fall gab es Wald, Wiesen und Bäche direkt vor der Haustür zum Spielen. Dass da auch der Schrebergarten von Opa und Papa lagen, in dem mein Bruder und ich häufig "Frondienste" leisten mussten - Unkraut jäten, Zwiebel setzen, Erdbeeren mit Heu unterlegen - das ist eigentlich ein eigenes Thema. Wie auch immer: der Limberg war unser großer Spielplatz mit Räuber und Gendarm, Bau von Baumhütten und den ersten heimlichen Spielen. Und jedes Jahr gab es im kleinen Ortsteil "Oberlimberg" ein - wie man heute sagen würde - riesiges "Event"!
Traditionell am Karfreitag wanderte die ganze Familie durch und über den Limberg zu diesem kleinen Ortsteil, der nur eine einzige Gaststätte hatte. Aber diese Gaststätte hatte es in sich: ruhig und beschaulich das ganze Jahr über, wurde ihr Biergarten an einem schönen Karfreitag zum Treffpunkt des gesamten Dorfes und der Gäste aus dem übrigen Saarland.
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Und wenn es so ein schöner Karfreitag wie der heutige war, dann war alles auf den Beinen. Meine Cousins kamen aus dem benachbarten Ensdorf mit Onkel und Tante. Meine Mutter war schon seit 6 Uhr in der Frühe auf, hatte Eier gekocht, Käsebrote gemacht, einige Süßigkeiten eingepackt, einen Marmorkuchen gebacken - und alles in einen Rucksack gepackt. Nach der Karfreitagsprozession, die schon in aller Frühe stattfand, gings dann los: der schöne, lustige Teil von Ostern begann. Meine Eltern, meine Onkel und Tanten, mein Opa, seltener meine Oma, weil sie nicht gut zu Fuss war - einfach alle gingen drauflos! Da es von unserem Haus bis nach Oberlimberg eigentlich nur eine halbe Stunde war, wurde ein Umweg gemacht - einmal quer den Berg hinauf, dann wieder hinunter, um dann von hinten, über St. Barbara, endlich in Oberlimberg einzulaufen. Wir Kinder hatten unseren Spaß schon gehabt: es war oft warm, die Bäche klar, die Bäume blühten, eigentlich alles wie an Ostern 2011. Aber wir waren so jung! Die Erwachsenen waren langsam, weil die Männer immer für eine Rast plädierten, um heimlich den selbstgebrannten Birnenschnaps zu testen. Die Mütter sorgten sich um die Sauberkeit unserer Hosen und den Alkoholpegel der Ehemänner - aber alle waren guter Laune und voller Erwartung. Mein Opa erzählte Anekdoten aus dem letzten Krieg, zeigte, wo die Amerikaner damals im Wald lagen - und wie man sich mit ihnen verbrüdert hatte, lange bevor sie unseren "kriegswichtigen" Ort einnahmen: ob "Schnaps" im Deutschen oder "whiskey" im Amerikanischen, es macht die Verbrüderung in jedem Fall deutlich leichter...
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Und leichter wurde auch mit jeder Minute die Stimmung unserer kleinen Wandergruppe - bis wir in Oberlimberg ankamen: alles voll! Da es damals nur eine Gaststätte und ihren Biergarten gab, drängten sich die Massen. Jeder der urigen Tische auf der Wiese unter den Obstbäumen war natürlich besetzt, Kinder liefen herum, Erwachsene riefen nach ihren Liebsten, jeden Meter konnte man über einen herrenlosen Hund stolpern, kurzum: ein sommerlich-liebenswertes Chaos! Unser  kleines Problem war schnell gelöst: Als Einheimische hatten wir natürlich schnell Platz an einem reservierten Tisch gefunden, der aus rohen Holzbohlen zwar einfachst gebaut war, aber seinen Zweck erfüllte: die Massen der mitgebrachten Essen wurden dort aufgetürmt. Obwohl das eigentlich keiner mehr essen wollte, ließen sich die Frauen nicht beirren: Es wird gegessen, was auf den Tisch kommt. Wir Kinder liefen ständig davon, die Männer prosteten sich schon wieder zu und verbrüderten sich mit den Zechern der umliegenden Tische. Die Katholiken zeigten sich von ihrer genußfreudigen Seite: kaum war die Prozession vorbei, der Herrgott beerdigt, schon begann man sich auf die Auferstehung am Sonntag zu freuen...manchmal war es schön, ein Katholik zu sein. Wir Kinder genossen die Freiheit, tranken Limonade und Apfelsaft bis zum Bauchweh - und ließen alle mitgebrachten Essenswaren stehen, denn jetzt gab es die Kässchmeer. Unsere Mütter hatten nämlich - obwohl sich Berge von Essen auf den Tischen häuften - mittlerweile diese Spezialität des Karfreitags nach einem langen Anstehen gekauft: Für jeden mindestens zwei Brote mit dickem, lecker-frischem Quark! Es war die Zeit des Wirtschaftswunders: alle hatten Arbeit, Geld war wieder da, es ging aufwärts und die Welt war schön! In meiner Erinnerung waren alle Karfreitage so wie heuer: Sonne, Wärme, kurze Hosen und Spielen bis zum Sonnenuntergang. Natürlich gab es auch lebensbedrohliche Dramen wie der lange blutige Riss am Knie oder der bitterböse Streit mit dem besten Freund wegen des einzigen netten Mädchens in Oberlimberg - die von uns allerdings gar nichts wissen wollte... trotzdem: c'était beau, la vie!

Und heute? Heute bin ich weit weg von diesem "Event" - es ist aber als Event noch größer, noch bombastischer geworden: Gut 30.000 Menschen pilgern jedes Jahr am Karfreitag zum "Kässchmeeressen" auf den Oberlimberg, auch heute wurden die ersten wieder ab acht Uhr morgens erwartet. Der "Ortsinteressenverein" (sic!) und die "Hostellerie Waldesruh" sind auf die "Pilger" und Wanderer bestens vorbereitet: Es gibt die traditionelle Kässchmeer an Ständen, im Biergarten und in einem Zelt, dazu auch andere fleischlose Speisen.
Das Kässchmeeressen ist laut der Veranstalter eines der ältesten Straßenfeste im Saarland. Es läuft wie immer bis zum Einbruch der Nacht. Ich habe sogar gesehen, dass es in umliegenden Orten nach dem Ende der "Feierlichkeiten" eine "After-Kässchmeer-Party" gibt: wie verrückt ist das denn?

Unsere Karfreitagsaktivitäen endeten in den 60er Jahren irgendwie immer gleich: einem von uns Kindern wurde es irgendwann richtig schlecht, alle andere schlossen sich dem aus Solidarität an - die kleinen Unfälle konnten nur durch frische T-Shirts repariert werden, die unsere Mütter natürlich auch sicherheitshalber eingepackt hatten. Meist schliefen die Männer am Nachmittag erschöpft vom vielen "Probieren" ein, die Frauen waren etwas genervt - und mit Sonnenuntergang kamen wir dann alle müde, erschöpft, und doch seltsamerweise richtig glücklich zu Hause an.

Und plötzlich ist es 2011, meine Kindheit ist lange vorbei, Internet und Google sind meine Begleiter, aber ich bin auch heute glücklich: z.B. wenn ich über Facebook von meinem Klassenkameraden Thomas Mouget höre, der mittlerweile Besitzer der "Hostellerie Waldesruh" ist und der mir über "Veranstaltungen" eine Einladung zum "Traditionellen Kässchmeer-Essen in Oberlimberg" zukommen lässt...manche Dinge ändern sich einfach nicht, sie stellen sich nur anders da. Und das ist auch gut so.

Hier ein klassisches Rezept für die "Kässchmeer":

Zutaten:

500g Quark
125 ml Milch
Frische Kräuter nach Geschmack (z.B. Schnittlauch, Petersilie, Dill)
1 kl. Zwiebel, Salz, Pfeffer

Zubereitung:

Alle Zutaten in eine Schüssel bringen und miteinander verrühren.
Das Ganze wird dann auf einem frischen herzhaften Bauernbrot serviert

Hier ein anspruchsvolles Rezept, was zum gleichen Ergebnis führt:

1 L Frische Kuhmilch
Kuhmilch in einen Topf füllen und diesen warm stellen. Da Milch, welche sauer wird, zu riechen beginnt, für gute Belüftung sorgen.
Ist die Milch schön dicklich geworden (=Sauermilch, Dickmilch) durch ein mit Tuch ausgelegtes Sieb seihen. Erst mal im Sieb abtropfen lassen, dann mittels dem Tuch Milchmasse fest ausdrücken.
Ausgedrückte Flüssigkeit ist Molke und jene mit Fruchtsaft vermengt ergibt ein kaltes Erfrischungsgetränk.
Die im Tuch verbliebene Masse ist die fertige Kässchmier (Quark, Topfen). Jene salzen, gut vermengen und im Kühlschrank lagern. Frische Kässchmier mit etwas Knoblauch und Pfeffer würzen. Bund Schnittlauch in Röllchen geschnitten untermengen.


Statt frischem Brot passen dazu natürlich auch:

"Gereeschde"

16 mittelgroße Kartoffeln

Die Kartoffeln in einen Topf geben, mit Wasser bedecken und ca. 30-40 Min. garen.

Danach schälen und abkühlen lassen.

Die Zwiebel kleinwürfeln und mit dem Fett in die Bratpfanne geben. 

Die gepellten Kartoffen in dünne Scheiben schneiden, auf die Zwiebeln in die Pfanne geben und ca. 10 min. lang unter mehrmaligem Wenden knusprig braten. Dabei mit Salz und Pfeffer würzen. 

Der Text wurde entnommen aus dem Webblog: http://guenterklotz.blogspot.com/2011_04_01_archive.html



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